Wandel der einfachen Arbeit | Die Entwicklungstrends | Allgemeine Helfertätigkeit
Das traditionelle Bild von einfacher Arbeit ist obsolet geworden: nicht mehr standardisierte Handgriffe in klar abgegrenzten, hoch arbeitsteiligen Arbeitsbereichen herrschen vor, sondern zunehmend komplexe, dynamische und intransparente Handlungssituationen.
Die einfache Arbeit in den Unternehmen ist stets als funktionaler Teil auf das Gesamtsystem der Arbeit im Betrieb bezogen. Heute zeigt sich, dass sich dieses Gesamtsystem und damit auch der Blick auf die einfache Arbeit einschneidend geänderthaben.
Unter dem Druck des Marktes wurden die Betriebsstrukturen durchgreifend reorganisiert und erneuert. Die betrieblichen Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom „Aussterben des alten Hilfsarbeiters“ bzw. der „Hilfskraft, wie man sie früher kannte“. Sie gehörten zu einer anderen Organisationsstruktur der Arbeit und des Betriebes, die durch eine tayloristische Arbeitsteilung geprägt war.
Der damalige Stand der Technisierung erlaubte Effektivitätssteigerungen weitgehend nur durch eine immer weiter verfeinerte Zergliederung der Tätigkeiten, wobei planende, organisierende und ausführende Elemente der Arbeit voneinander abgetrennt und häufig von verschiedenen Arbeitskräften arbeitsteilig durchgeführt wurden. Für manche Arbeitsplätze war eine Fachausbildung deshalb nicht nötig. Auch Personen ohne Berufsausbildung wurden als an- und ungelernte Kräfte problemlos in das System der Arbeitsteilung eingegliedert. Diese tayloristisch geprägte funktionelle Struktur ist am Verschwinden. Um den Ansprüchen des Marktes gerecht zu werden, ist Flexibilität und damit eine Flexibilisierung der Arbeit in allen Branchen und Betriebsgrößen eine Leitschnur der Umgestaltung. Die Unternehmen wollen schneller auf Marktveränderungen reagieren können und näher am Kunden agieren. Die prozessbezogene Innovation löst die strenge Zuordnung der aufeinander bezogenen Arbeitsplätze und die alten Routinen auf.
Einfache Arbeit von An- und Ungelernten ist durch die Vernetzung mit anderen Arbeiten im Prozess in Hinblick auf die Verrichtung einfacher operativer Tätigkeiten (operativer Prozess) vielfältiger geworden, obwohl die einzelnen Handgriffe relativ einfach geblieben sind. Sie müssen jedoch in verschiedenen und sich verändernden Umgebungen, mit verschiedenen Maschinen oder Werkzeugen für die Herstellung von variierenden Produkten und Dienstleistungen geleistet werden.
Auch in einfache Tätigkeiten sind Funktionen integriert worden, die auf die Gewährleistung des reibungslosen technischen Ablaufs gerichtet sind (technische Prozessicherung). Voraussetzungen und Mittel des Arbeitens müssen selbständig beachtet und gepflegt werden, z.B. in der Produktion durch die Pflege und Wartung von Maschinen. Auch die Abläufe des technischen Prozesses selber sind auf mögliche Störungen und Fehlfunktionen hin zu beobachten und es ist ggf. einzugreifen.
Die Qualität der hergestellten Waren bzw. der bereitgestellten Dienstleistungen zu gewährleisten (Qualitätsprozesse) ist nicht nur Aufgabe des Fachpersonals, sondern aller Mitarbeiter, auch der an- und ungelernten Arbeitskräfte.
Auch in einfacher Arbeit ist es eine selbständig zu leistende Aufgabe, Abfälle und Rückstände der Arbeit umweltgerecht zu entsorgen (Umweltmanagement). Arbeitssicherheit ist in heutigen Verständnis keine an irgendeine andere Person mit mehr Kenntnis zu delegierende Aufgabe, sondern der sichere Umgang mit Gefahren, die sich aus der Arbeitsumgebung ergeben können, gehört zur Verantwortung aller Beschäftigten (Arbeitssicherheit).
Einfache Tätigkeiten, die in den betrieblichen Wertschöpfungsprozess eng eingebunden sind, müssen wegen der betriebswirtschaftlichen Wirkung von Handlungen kosten- und zielbewusst durchgeführt werden. Dies verlangt Rücksicht auf und ein gewisses Bewusstsein über die Zusammenhänge zwischen dem Einsatz der betrieblichen Ressourcen und dem Geschäftsergebnis (Geschäftsprozesse).
Die Arbeit von An- und Ungelernten ist in den Unternehmen nicht mehr einer Führungs- oder Fachkraft als Hilfe zugeordnet, sondern in der Arbeitsumgebung mit anderen Arbeitsprozessen eng vernetzt, was aus einer einseitigen bzw. dualen Kommunikation ein Geflecht von vielseitigen und aktiv zu betreibenden Information- und Kommunikationsprozessen macht (Informationsprozesse). Dies bezieht sich einerseits auf die unmittelbare Form der Arbeit, worin einfache Tätigkeiten häufig mit anderen in Teamform zusammengefasst sind und in verschieden ausgeprägten Maß die Gruppenarbeit selbständig organisiert werden muss. Anderseits wird auch in einfacher Arbeit zunehmend computergestützte Daten- und Informationserfassung, -auswertung und –weitergabe in automatisierte Informationsnetze wichtiger, worin auch Arbeitssteuerung und einfache Verwaltungstätigkeit am PC eingeschlossen sind.
Die einfachen Arbeiten und die Anforderungen an sie werden nicht mehr durch den einzelnen Arbeitsplatz definiert, sondern durch die Arbeitsumgebung, entscheidend ist nicht mehr eine isoliert zu betrachtende Arbeitstätigkeit, sondern der Arbeitsprozess in seinem betrieblichen Zusammenhang.
Die Bestimmung, dass einfache Arbeiten schon jetzt und in Zukunft noch stärker durch wachsende Komplexität, Dynamik und Intransparenz gekennzeichnet sein wird, ergibt sich aus der Prozessorientierung der Gesamtarbeit in den Betrieben, die sich aus den Anforderungen der Flexibilität und der Kundenorientierung am Markt ergibt.
© Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH, 90429 Nürnberg | Email: info@f-bb.de